Wer trägt hier die Verantwortung?

Ich habe es nicht so genau verfolgt, doch vor einigen Jahren hatte der Prozess um die NSU begonnen, und er zieht sich bis in die heutige Zeit hin. Und heute darf ich jetzt lesen, dass es erneut Schwierigkeiten gibt, geradezu ein juristisches Dilemma. Und zwar handelt es sich da um die Tatsache, dass die Angeklagte erneut erbittet, ihre drei Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen zu entlassen. Nun, man könnte sagen das ist ja jedem frei steht, zu entscheiden von welchem Anwalt man vertreten werden will. Man kann eigentlich auch akzeptieren, dass ein Anwalt nicht unbedingt einen Mandanten vertreten muss, mit dem er ein verrottetes Verhältnis hat. Doch gerade in diesem Prozess ist es in der Vergangenheit schon mehrmals dazu gekommen, dass die Anwälte von der schwierigen Pflicht der Verteidigung zurückgetreten sind.

Das mag viele Gründe haben. Es kann daran liegen, dass die Angeklagte tatsächlich sehr unleidlich ist. Es kann aber auch sein, dass sie einfach nicht in der Presse mit dem Prozess in Verbindung gebracht werden wollen oder für einen Freispruch oder eine Verurteilung die Verantwortung übernehmen wollen, da beides Nachteile mit sich trägt. Schlägt man die Angeklagte frei, ist einem der Zorn der Zivilbevölkerung sicher. Kommt es zu einer Verurteilung sieht es so aus, als hätte man schlechte Arbeit gemacht. Wo soll das nähten?

Jedenfalls ist die Situation ja gerade wieder einmal hoch gekocht, die Anwälte haben nicht nur zum ersten Mal um eine Entlassung gebeten, es ist bereits das zweite Mal oder sogar das dritte Mal. Außerdem ist bekannt, dass die Angeklagte mit den Anwälten kein Wort mehr wechselt, der Richter weiß also, dass es sich nicht um einen medienwirksamen Rückzug aus der Schusslinie handelt sondern um ein echtes zerrüttete Verhältnis zwischen Mandant und Anwalt.

Doch was passiert, wenn die drei Anwälte tatsächlich entlassen werden? Die Angeklagte müsste sich dann nach dem mehrmaligen entlasten ihrer bisherigen Rechtsvertretungen auf die Verteidigung eines Pflichtverteidigers stützen und die Anwälte konzentrieren sich auf andere Fälle, vielleicht ja im Familienrecht. Und hier fangen die Probleme erst richtig an.

Da es bei einem strafrechtlichen Prozess keinerlei Mitschriften oder Protokolle gibt, und der Pflichtverteidiger fest steht aber und gerade diese Personen den Beginn des Prozesses nicht verfolgt hat, stehen Ihnen keine Informationen über den gesamten Teil des Beweisverfahren zu Verfügung, abgesehen von dem was aus den Medien erfährt oder was ihm aus der Presse bekannt ist. Wie man auf so eine Art und Weise effektivsten Mandanten verteidigen kann, ist nicht ersichtlich. Aber wer trägt dafür die Verantwortung, wenn eine bestmögliche Verteidigung nicht mehr gegeben ist? Sind es tatsächlich die Anwälte, die sich aus dem Prozess zurückziehen? Ist es der Richter, der diese Entscheidung trifft, oder ist es nicht vielmehr tatsächlich die Angeklagte, die ja bisher immer die Wahl hatte zu welchem Anwalt sie geht und ob sie diesen im Dienst behält.