Die Essenz der Finanzkrise: keine Essenz

Wir stellen immer erschrockener fest, dass die Essenz der Finanzkrise die ist, dass es keine Essenz gibt. Wir rudern Planlos im Meer fixer politischer Ideen und hoffen irgendwie den klauen dieser Krise zu entkommen. Dabei können wir uns gar nicht gewahr werden, dass wir das eigentliche Problem immer weiter verschärfen: Die globale Umverteilung von Besitz und Geld.

Mit jeder neuen Tranche, die von den Notenbanken in das System gepumpt wird, profitieren an erster Stelle erst einmal nur jene, die ohnehin schon viel besitzen. Erst danach wird das Spielgeld in homöopathischen Dosen bei den wahrhaft bedürftigen Menschen und Unternehmen ankommen.

Wir haben einen Moloch geschaffen, der in dem Glauben weiterlebt, dass immer mehr Geld das Problem lösen wird. Doch das wird nicht passieren. Kanzlerin Angela Merkels Lösung des eisernen Spardiktats wird genauso wenig helfen, wie die Pleitestaaten mit quantitative Easing wieder zu beleben.

Der neue griechische Präsident Alexis Tsipras hat verstanden, dass der Deal zwischen Griechenland und den Geldgeberstaaten von der ersten Sekunde an ein fauler Deal war. Griechenland kann seine Schulden niemals zurückzahlen, sie würden ewig über dem Land schweben und einen ausgeglichenen Haushalt unmöglich machen. Griechenland muss derzeit nicht tilgen: Die Rückzahlung der Schulden soll zwar erst ab 2022 beginnen, doch bis dahin sind von Hellenen keine Wunder zu erwarten.

Setzt man jetzt das “Pacta sunt Servanda” auf ein zu hohes Ross, so kommt das im Endeffekt auch einem Schuldenschnitt gleich. Das wissen alle: Herr Schäuble, Frau Merkel, Herr Schmidt, Herr Junker  und wie sie alle heißen, die da sagen wollen, wo es langgeht. Was bringen die Schulden rein formell, wenn sie nie beglichen werden müssen. So lebt seit mehr als 40 Jahren der gesamte westliche Kapitalismus. Schulden machen funktioniert natürlich nur auf Kosten jemand anderen. Bei uns sind das derzeit Kleinsparer und Menschen die ohnehin schon am Existenzminimum leben.

Im Endeffekt wird die Griechenlandfrage so entschieden werden, wie Tsipras und Varoufakis es schon jetzt sehen. Einfach weil es keine andere Möglichkeit für Griechenland gibt.